Ein vorhandener Unternehmenstext kann sprachlich schwer zugänglich sein, obwohl alle wichtigen Informationen bereits enthalten sind. Beim Überarbeiten geht es dann nicht darum, neue Vorteile zu erfinden. Die Aufgabe lautet: denselben bestätigten Inhalt so ordnen und formulieren, dass Leser schneller erkennen, wer was anbietet, was enthalten ist und wo Grenzen liegen.
Das ist etwas anderes als die Planung einer neuen Leistungsseite. Wer erst Zielgruppe, Angebot und Ablauf festlegen muss, beginnt besser mit dem Ratgeber Webtexte planen. Hier steht dagegen ein bereits vorhandener Absatz im Mittelpunkt. Das Ziel ist eine klarere Fassung, deren Tatsachen und Zusagen mit dem Ausgangstext übereinstimmen.
Vor dem Umschreiben: Fakten und Formulierungen trennen
Markiere zuerst alle Inhalte, die nicht beiläufig verändert werden dürfen. Dazu gehören Namen, Zeitangaben, enthaltene Leistungen, Zielgruppen, Zuständigkeiten, Lieferwege und Einschränkungen. Eine flüssigere Formulierung ist keine Erlaubnis, eine Vermutung in eine Zusage zu verwandeln.
| Prüffeld | Frage vor der Änderung | Behandlung |
|---|---|---|
| Tatsache | Ist die Aussage intern bestätigt? | Inhalt erhalten; nur sprachlich ordnen. |
| Zusage | Wird Umfang, Termin oder Wirkung versprochen? | Nicht verstärken; bei Unklarheit nachfragen. |
| Fachbegriff | Versteht die Zielgruppe den Begriff? | Erklären oder durch eine bekannte Bezeichnung ergänzen. |
| Offene Stelle | Fehlt ein Handelnder, Bezug oder Beleg? | Nicht erraten; als Rückfrage kennzeichnen. |
Für Webinhalte empfiehlt die Web Accessibility Initiative des W3C unter anderem verständliche Wörter, kurze Sätze, kurze Textblöcke und eindeutige Inhalte. Diese Hinweise sind eine sinnvolle sprachliche Orientierung. Sie ersetzen aber weder die fachliche Freigabe noch eine vollständige technische Barrierefreiheitsprüfung.
Fiktives Vorher-nachher-Beispiel
Ausgangstext – vollständig fiktiv: „Die Bereitstellung digitaler Wartungspläne für kleine Produktionsbetriebe erfolgt durch die Nordblick GmbH seit 2022. Nach Durchführung der Registrierung wird den Kundinnen und Kunden ein persönlicher Zugang zur Verfügung gestellt. Im Basispaket sind die Durchführung eines Einrichtungsworkshops und die monatliche Bereitstellung einer Exportdatei enthalten. Die Beantwortung von Supportanfragen erfolgt durch das Team per E-Mail.“
Überarbeitete Fassung – dieselben fiktiven Fakten: „Seit 2022 bietet die Nordblick GmbH kleinen Produktionsbetrieben digitale Wartungspläne an. Nach der Registrierung erhalten Kundinnen und Kunden einen persönlichen Zugang. Das Basispaket enthält einen Einrichtungsworkshop und eine monatliche Exportdatei. Supportanfragen beantwortet das Team per E-Mail.“
Die neue Fassung ergänzt weder einen Preis noch eine Reaktionszeit, Erfolgsquote oder technische Funktion. Sie macht lediglich vorhandene Informationen leichter auffindbar. Aus „Die Beantwortung erfolgt“ wird „Das Team beantwortet“. Aus mehreren Substantivierungen werden direkte Verben. Die Zeitangabe steht früh im ersten Satz, und jeder weitere Satz behandelt einen klar abgegrenzten Inhalt.
Vier Prüfdurchgänge für einen vorhandenen Absatz
1. Aussage sichern
Schreibe die Kernaussagen des Absatzes in Stichpunkten auf. Vergleiche diese Liste nach der Überarbeitung erneut mit der neuen Fassung. Jede neue Behauptung ist entweder zu entfernen oder fachlich zu bestätigen.
2. Leserbezug klären
Prüfe, welches Vorwissen vorausgesetzt werden darf. Abkürzungen und interne Projektnamen können für Mitarbeitende eindeutig, für neue Interessenten aber unverständlich sein. Erkläre notwendige Fachbegriffe knapp, ohne ihre Bedeutung zu verändern.
3. Satz für Satz entlasten
Suche nach langen Satzketten, unklaren Pronomen und Konstruktionen wie „Durchführung der Prüfung“ oder „Erfolg der Umsetzung“. Oft hilft ein direktes Verb. Teile einen Satz nur dann, wenn die logische Verbindung erhalten bleibt. Die W3C-Tipps zum Schreiben zugänglicher Webinhalte empfehlen außerdem aussagekräftige Überschriften sowie klare und knappe Inhalte.
4. Zusagen und Grenzen erneut lesen
Kontrolliere Zahlen, Termine, Leistungsumfang und Wörter wie „immer“, „vollständig“, „garantiert“ oder „sofort“. Solche Begriffe können den Inhalt stärker verändern als eine auffällige Satzumstellung. Ist eine Aussage nicht bestätigt, gehört sie nicht in die geglättete Fassung.
Kopierbares Änderungsprotokoll
Ein kurzes Protokoll macht sichtbar, warum eine Formulierung geändert wurde. Es eignet sich besonders, wenn Fachverantwortliche den Inhalt freigeben und eine andere Person den Text überarbeitet.
- Textstelle: Welcher Satz oder Absatz wird bearbeitet?
- Bestätigte Aussage: Welche Fakten müssen unverändert bleiben?
- Sprachliches Problem: Was erschwert das Verständnis?
- Vorschlag: Wie lautet die neue Fassung?
- Inhaltliche Änderung: Nein / Ja, fachliche Freigabe erforderlich.
- Offene Rückfrage: Welche Information darf nicht geraten werden?
Beim fiktiven Beispiel könnte der Eintrag lauten: „Textstelle: Supportsatz. Bestätigte Aussage: Anfragen gehen per E-Mail an das Team. Problem: nominale Formulierung. Vorschlag: ‚Supportanfragen beantwortet das Team per E-Mail.‘ Inhaltliche Änderung: nein. Rückfrage: keine.“ Für die Ergänzung einer Antwortzeit müsste dagegen eine fachliche Freigabe eingeholt werden.
Wann sprachliche Überarbeitung nicht ausreicht
Fehlen belastbare Angaben zu Leistung, Zielgruppe oder Ablauf, lässt sich das Problem nicht allein durch schönere Sätze lösen. Dann muss zunächst geklärt werden, welche Aussage tatsächlich gelten soll. Auch eine fachliche, rechtliche oder technische Prüfung ist nicht automatisch Teil einer sprachlichen Überarbeitung.
Der Ratgeber Lektorat oder Korrektorat hilft bei der Abgrenzung der Prüftiefe. Bei Yourghost setzt ein Lektorat an einem eigenen Ausgangstext an und kann – je nach vereinbartem Umfang – Verständlichkeit, Stil, Lesefluss und Aufbau betrachten. Welche Punkte tatsächlich geprüft werden, gehört in das konkrete Angebot.
Abschlusscheck
- Enthält die neue Fassung dieselben bestätigten Fakten wie der Ausgangstext?
- Ist für jeden Satz klar, wer handelt und worauf sich die Aussage bezieht?
- Wurden Fachbegriffe erklärt, ohne sie fachlich umzudeuten?
- Sind Leistungsumfang, Termine und Wirkungen unverändert geblieben?
- Sind neue oder offene Aussagen als Rückfragen markiert?
- Kann eine fachlich verantwortliche Person die Änderungen nachvollziehen?
Ein verständlicher Unternehmenstext ist deshalb nicht einfach kürzer. Er macht den bestätigten Inhalt sichtbar, hält offene Punkte offen und trennt sprachliche Verbesserung von fachlicher Entscheidung.



