Du hast einen Text fertiggestellt und möchtest ihn prüfen lassen. Im Angebot stehen zwei Begriffe: Lektorat und Korrektorat. Beide helfen bei der Textqualität, beantworten aber unterschiedliche Fragen. Beim Korrektorat geht es vor allem darum, ob die Sprache korrekt ist. Beim Lektorat geht es zusätzlich darum, ob der Text seine Leser verständlich und überzeugend durch den Inhalt führt.
Die Bezeichnungen werden nicht von allen Anbietern gleich verwendet. Entscheidend ist deshalb die konkrete Leistungsbeschreibung im Angebot. Ob ein abschließendes Korrektorat enthalten ist oder separat erfolgt, muss im Angebot stehen. Der Verband der Freien Lektorinnen und Lektoren beschreibt das Korrektorat als eigenen Schritt für den sprachlichen Feinschliff.
Was ein Korrektorat prüft
Ein Korrektorat konzentriert sich üblicherweise auf Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung und sprachliche Einheitlichkeit. Dazu gehören beispielsweise fehlende Kommas, falsche Wortformen, doppelte Leerzeichen oder unterschiedliche Schreibweisen desselben Begriffs. Welche zusätzlichen formalen Prüfungen enthalten sind, etwa Zahlenformate oder Abkürzungen, sollte im Auftrag stehen.
Ein Korrektorat passt zu Texten, deren Inhalt und Aufbau bereits feststehen. Die Argumentation soll bestehen bleiben, während sprachliche Fehler bereinigt werden. Es ersetzt weder eine fachliche Prüfung noch eine Überprüfung sämtlicher Quellen. Einen Überblick über typische sprachliche und formale Aufgaben bietet das VFLL-Glossar zum Korrektorat.
Was ein Lektorat verändert
Ein sprachliches Lektorat betrachtet auch Satzbau, Wortwahl, Wiederholungen, Ton und Lesefluss. Je nach vereinbartem Umfang prüft es darüber hinaus, ob Absätze logisch aufeinander aufbauen, Begriffe verständlich eingeführt werden und Aussagen klar voneinander abgegrenzt sind.
Ein strukturelles Lektorat geht weiter als eine reine sprachliche Überarbeitung. Es kann auf einen fehlenden Übergang, eine doppelte Erklärung oder eine unbegründete Schlussfolgerung hinweisen. Inhaltliche Änderungen sollten transparent vorgeschlagen werden. Besonders bei Fachtexten muss klar bleiben, welche Entscheidungen der Verfasser selbst trifft.
Ein Beispiel: korrekt ist noch nicht automatisch klar
Der folgende Satz ist ein frei erfundenes Schreibbeispiel: „Die Umsetzung der Maßnahmen erfolgte nach einer Durchführung der Prüfung der Voraussetzungen.“ Ein Korrektorat hat hier wenig zu verändern. Der Satz enthält keine offensichtlichen Rechtschreibfehler, ist aber unnötig schwer verständlich.
Ein Lektorat könnte vorschlagen: „Nach der Prüfung der Voraussetzungen setzte das Team die Maßnahmen um.“ Das Verb nennt die Handlung direkt. Der Vorschlag ergänzt jedoch einen Handelnden. Steht im Ausgangstext nicht fest, wer verantwortlich war, muss die Redaktion zuerst nachfragen. Eine flüssigere Formulierung darf keine neue Tatsache erfinden.
Genau dieser Unterschied ist wichtig: Sprachliche Überarbeitung soll den vorhandenen Inhalt sichtbar machen. Sie sollte den Inhalt nicht unbemerkt verschieben.
Welche Leistung brauchst du?
- Der Text ist klar aufgebaut, aber Fehler sollen entfernt werden: Ein Korrektorat ist ein sinnvoller Ausgangspunkt.
- Der Text wirkt umständlich oder uneinheitlich: Ein sprachliches Lektorat kann helfen.
- Du verlierst beim Lesen den roten Faden: Frage ausdrücklich nach einer Prüfung von Struktur und Argumentation.
- Du bist dir bei Fachinhalten unsicher: Kläre eine separate fachliche Prüfung. Sie ist nicht automatisch Teil eines sprachlichen Lektorats.
- Du musst Zitier- oder Formatvorgaben einhalten: Lege die Vorgaben bei und vereinbare, ob diese geprüft werden.
Du musst diese Einordnung nicht allein treffen. Ein kurzer Textauszug und eine Beschreibung des gewünschten Ergebnisses helfen, den Umfang der Prüfung abzustimmen. Eine verbindliche Einschätzung hängt vom tatsächlichen Material ab.
So bereitest du den Text vor
- Arbeitsstand sichern: Verwende eine eindeutige Dateiversion und halte fest, welche Passagen noch verändert werden.
- Zielgruppe nennen: Ein Text für Fachkollegen benötigt andere Erläuterungen als ein Text für Kunden.
- Vorgaben beilegen: Übermittle gewünschte Schreibweisen, Terminologie, Zitierstil und relevante Formatregeln.
- Grenzen definieren: Kennzeichne Zitate, freigegebene Aussagen oder Formulierungen, die nicht ohne Rücksprache geändert werden sollen.
- Änderungsdarstellung klären: Vereinbare, ob du eine kommentierte Datei, nachvollziehbare Änderungen oder zusätzlich eine bereinigte Fassung benötigst.
- Eigene Zeit zur Durchsicht einplanen: Prüfe die Vorschläge, bevor du den Text weiterverwendest.
Für wissenschaftliche Prüfungsarbeiten sind die Regeln der jeweiligen Einrichtung maßgeblich. Kläre zulässige Unterstützung vorab und dokumentiere sie, soweit verlangt. Dein eigener fachlicher Beitrag und deine Verantwortung für den Inhalt bleiben bestehen. Akademische Auftragsarbeiten für an österreichischen Universitäten oder Hochschulen inskribierte Personen bleiben nach dem bestehenden Yourghost-Leistungsrahmen ausgeschlossen. Fremderstellte Prüfungsleistungen zur Einreichung unter eigenem Namen werden nicht angeboten.
Wie geht es nach der Bearbeitung weiter?
Gehe Kommentare zuerst durch und entscheide über offene Fragen. Lies anschließend den zusammenhängenden Text noch einmal, statt nur einzelne Korrekturen anzunehmen. Wenn du nach dem Lektorat neue Absätze ergänzt, sollten auch diese abschließend geprüft werden. Eine klare Versionsfolge verhindert, dass alte Fehler erneut in die finale Datei gelangen.
Weiterlesen: Ein Textbriefing erstellen.
