„Wir brauchen einen guten Text“ beschreibt einen Wunsch, aber noch keinen Auftrag. Ein Textbriefing beantwortet, wofür der Text gebraucht wird, wer ihn liest und welche Information nach dem Lesen hängen bleiben soll. Es kann Rückfragen reduzieren, weil wichtige Entscheidungen vor dem ersten Entwurf sichtbar werden.
Ein Briefing muss nicht lang sein. Ein sorgfältig ausgefülltes Dokument ist nützlicher als eine Sammlung unkommentierter Dateien. Wo Informationen fehlen, schreibe „noch offen“. Das ist besser als eine Annahme, die später für eine bestätigte Vorgabe gehalten wird.
Beginne mit der Aufgabe des Textes
Ein Text kann erklären, eine Entscheidung vorbereiten oder zu einer Anfrage führen. Diese Ziele verlangen unterschiedliche Schwerpunkte. Eine Leistungsseite muss zum Beispiel zeigen, für wen das Angebot passt, welche Schritte folgen und was vor einer Anfrage benötigt wird. Ein erklärender Fachartikel kann dagegen eine Methode Schritt für Schritt vermitteln.
Formuliere ein Hauptziel in einem Satz. Ergänze danach eine gewünschte nächste Handlung. Das kann eine Kontaktaufnahme sein, aber auch der Download einer Anleitung oder das Lesen einer weiterführenden Information.
Eine Vorlage mit neun Feldern
Die folgende Vorlage ist eine eigene praktische Arbeitshilfe von Yourghost. Sie ist keine verbindliche Norm; passe die Felder an dein Projekt an.
- Textart und Einsatzort: Was entsteht und wo erscheint es? Nenne etwa Leistungsseite, Ratgeberartikel oder Redemanuskript.
- Zielgruppe: Wer liest den Text? Beschreibe Vorwissen, typische Fragen und die Situation, in der gelesen wird.
- Ziel und Kernbotschaft: Was soll der Leser verstehen oder anschließend tun? Beschränke dich auf eine Hauptbotschaft.
- Inhalte: Welche Fragen müssen beantwortet werden? Welche Inhalte gehören ausdrücklich nicht in den Text?
- Ton und Ansprache: Du oder Sie, sachlich oder persönlich? Übermittle bestehende Markenregeln und begründe Beispieltexte.
- Umfang und Format: Definiere einen sinnvollen Umfangsrahmen, benötigte Überschriften, Dateiformat und besondere Layoutvorgaben.
- Quellen und Nachweise: Welche Informationen sind bestätigt? Wer kann fachliche Fragen beantworten? Welche Angaben benötigen eine Freigabe?
- Zeitplan: Nenne Wunschtermin, interne Prüftermine und zuständige Personen. Die tatsächlichen Liefertermine werden gesondert vereinbart.
- Freigabe und Nutzung: Wer entscheidet über die Endfassung? Welche Korrekturschritte und Nutzungen sollen vertraglich vereinbart werden?
Ein ausgefülltes Beispiel
Dieses Beispiel ist fiktiv und keine Kundenreferenz. Ein kleines Unternehmen benötigt eine Seite für einen Wartungsservice.
- Textart: Leistungsseite auf der eigenen Website.
- Zielgruppe: Verantwortliche in kleinen Betrieben, die eine regelmäßige Wartung organisieren müssen.
- Hauptziel: Leser sollen verstehen, für welche Geräte der Service geeignet ist und welche Angaben für eine Anfrage benötigt werden.
- Kernbotschaft: Der Service wird nach einer Prüfung von Gerätetyp, Einsatzort und gewünschtem Umfang angeboten.
- Pflichtinhalte: Einsatzbereich, Ablauf, benötigte Angaben und Kontaktweg.
- Nicht verwenden: Preisgarantien, feste Reaktionszeiten und Zertifizierungen, solange diese nicht bestätigt sind.
- Ansprache: Sie, ruhig und konkret. Fachbegriffe beim ersten Auftreten erklären.
- Quellen: Freigegebene Leistungsbeschreibung; technische Rückfragen an die benannte Fachperson.
- Freigabe: Fachprüfung vor der redaktionellen Endfreigabe.
Schon diese Angaben verhindern mehrere typische Fehler: Der Text verspricht keine unbestätigten Fristen, nennt keine erfundenen Preise und richtet sich an eine erkennbare Zielgruppe.
Quellen so ordnen, dass sie verwendbar sind
Übermittle Dateien mit eindeutigen Namen und einem kurzen Hinweis zu ihrer Funktion. „Leistungsumfang, Stand 2026-10“ ist besser als „final_neu_2“. Wenn sich Dokumente widersprechen, benenne die gültige Fassung. Markiere alte Unterlagen als Hintergrundinformation.
Lege für überprüfbare Aussagen eine einfache Liste an: Aussage, Quelle, Datum, Freigabeperson und offene Frage. Bei Zahlen gehören Bezugszeitraum und Einheit dazu. Eine Zahl ohne Kontext ist selten eine belastbare Aussage. Texte anderer Unternehmen können Stilmerkmale veranschaulichen, dürfen aber nicht als eigene Inhalte übernommen werden.
Schicke außerdem nur Daten, die für den Auftrag benötigt werden. Wenn personenbezogene oder vertrauliche Informationen enthalten sind, kläre den passenden Übermittlungsweg und den Bearbeitungsumfang vorab.
Die Qualität des Entwurfs beurteilen
Prüfe einen Entwurf zuerst am Briefing: Ist die Hauptfrage beantwortet? Sind alle Pflichtinhalte enthalten? Passen die Aussagen zu den freigegebenen Quellen? Kann die Zielgruppe den nächsten Schritt erkennen? Erst danach lohnt sich die Diskussion einzelner Formulierungen. Diese Reihenfolge passt zur Empfehlung des Instituts für Europäische Ethnologie der Universität Wien, bei der Überarbeitung und im Feedback zunächst Aufgabe, Inhalt und Aufbau und anschließend Sprache und Formalia zu betrachten.
Sammle Rückmeldungen in einer gemeinsamen Fassung. Unterscheide dabei sachliche Korrekturen, Stilwünsche und neue Anforderungen. Eine zusätzlich gewünschte Textart oder ein geänderter Leistungsumfang ist eine Projektänderung, die separat abgestimmt werden sollte.
Eine kurze Abschlusskontrolle
- Eine Zielgruppe und ein Hauptziel sind benannt.
- Unbestätigte Angaben sind als offen markiert.
- Es gibt eine zuständige Person für fachliche Rückfragen.
- Umfang, Wunschtermin und Freigabeweg sind nachvollziehbar.
- Die gewünschte Nutzung des Textes wird im Angebot geklärt.
Weiterlesen: Lektorat oder Korrektorat: die Unterschiede.
