Gute Suchbegriffe entstehen nicht durch eine möglichst lange Liste, sondern durch eine klare Trennung der Konzepte in der Recherchefrage. Für jedes Konzept werden passende Synonyme gesammelt, anschließend werden die Gruppen zu einem prüfbaren Suchausdruck verbunden. So lässt sich gezielt erkennen, welcher Begriff eine Suche erweitert, verengt oder unbeabsichtigt in eine andere Richtung lenkt.
Die Recherchefrage in Konzepte zerlegen
Beginnen Sie mit einer Frage, die Gegenstand, Zielgruppe und betrachteten Zusammenhang erkennen lässt. Für das fiktive Beispiel dieses Artikels lautet sie: „Welche Forschung untersucht den Zusammenhang zwischen Smartphone-Nutzung und Schlafqualität bei Studierenden?“ Daraus entstehen drei Konzeptgruppen:
| Konzept | Kernbegriff | Mögliche Varianten | Prüffrage |
|---|---|---|---|
| Zielgruppe | Studierende | student, university student, college student | Wer wird untersucht? |
| Einfluss | Smartphone-Nutzung | smartphone use, mobile phone use, screen use | Welche Nutzung ist gemeint? |
| Ergebnis | Schlafqualität | sleep quality, sleep duration, sleep disturbance | Welcher Schlafaspekt zählt? |
Die Varianten sind zunächst Kandidaten, keine automatisch richtigen Synonyme. „Screen use“ kann beispielsweise auch Laptop- oder Fernsehnutzung erfassen. „Sleep duration“ beschreibt eine andere Dimension als „sleep quality“. Solche Unterschiede sollten in der Matrix sichtbar bleiben, damit sie später bewusst ein- oder ausgeschlossen werden.
Synonyme innerhalb einer Gruppe, Konzepte zwischen Gruppen
In Datenbanken mit Boolescher Suche werden gleichbedeutende oder alternative Begriffe einer Konzeptgruppe häufig mit OR verbunden. Die unterschiedlichen Konzeptgruppen werden anschließend mit AND kombiniert. Klammern machen sichtbar, welche Alternativen zusammengehören. In PubMed sind die Operatoren AND, OR und NOT in Großbuchstaben vorgesehen; PubMed verarbeitet Suchteile von links nach rechts, weshalb Klammern für zusammengehörige Einheiten wichtig sind (PubMed User Guide).
Ein erster konzeptioneller Suchausdruck könnte daher so aussehen:
(student OR "university student" OR "college student")
AND ("smartphone use" OR "mobile phone use")
AND ("sleep quality" OR "sleep disturbance")
Dieser Ausdruck ist noch keine universelle Endfassung. Jede Suchoberfläche verarbeitet Anführungszeichen, Platzhalter, Feldangaben und automatische Begriffserweiterungen anders. Kopieren Sie eine Syntax deshalb nicht ungeprüft von einer Datenbank in die nächste.
Die PubMed-Fassung schrittweise testen
PubMed empfiehlt, zuerst die Schlüsselkonzepte zu bestimmen und die Suche bei zu vielen Treffern mit spezifischeren oder zusätzlichen Begriffen einzugrenzen. Bei zu wenigen Treffern können besonders enge Begriffe entfernt oder alternative Bezeichnungen ergänzt werden. Die Oberfläche zeigt unter „Search Details“, wie eine Eingabe übersetzt wurde. Das ist wichtig, weil PubMed unmarkierte Begriffe automatisch zuordnet.
Für das Beispiel kann eine dokumentierte Testfolge so aussehen:
- Breiter Start:
students AND smartphone AND sleep. Zweck: Grundbegriffe prüfen und Formulierungen aus passenden Titeln und Abstracts sammeln. - Synonyme ergänzen: Die drei Konzeptgruppen mit
ORausbauen. Zweck: alternative Fachausdrücke abdecken. - Felder gezielt begrenzen: Nur wenn die breite Fassung zu unscharf bleibt, einzelne Begriffe auf Titel und Abstract beschränken.
(student*[Title/Abstract])
AND ("smartphone use"[Title/Abstract] OR "mobile phone use"[Title/Abstract])
AND ("sleep quality"[Title/Abstract] OR sleep[Title/Abstract])
Diese Feldangaben sind PubMed-spezifisch. Der PubMed User Guide bestätigt, dass [Title/Abstract] beziehungsweise [tiab] auf Titel und Abstract begrenzt. Feldangaben schalten zugleich die automatische Begriffskartierung für den markierten Ausdruck aus. Der Platzhalter * ersetzt in PubMed null oder mehr Zeichen; vor dem ersten Platzhalter müssen mindestens vier Zeichen stehen. Deshalb eignet sich student* grundsätzlich für mehrere Wortformen, während sehr kurze Wortanfänge nicht nach demselben Muster funktionieren.
Google Scholar nicht wie PubMed behandeln
Google Scholar bietet eine andere Oberfläche und eine andere Suchlogik. Die offizielle Hilfe nennt Anführungszeichen für die Suche nach einem bestimmten Titel, den Operator author: für Autorensuchen und eine erweiterte Suche für Autor, Titel, Publikation und Datumsgrenzen. Sie weist außerdem darauf hin, dass Ergebnisse normalerweise nach Relevanz und nicht nach Datum sortiert werden (Google Scholar Search Help).
Für die Konzeptmatrix bedeutet das: Behalten Sie die Begriffsgruppen bei, übertragen Sie aber nicht ungeprüft die PubMed-Feldtags. Nutzen Sie in Scholar zunächst eine kompaktere Kombination, kontrollieren Sie passende Titel und verwenden Sie die erweiterte Suche nur für die dort angebotenen Felder. „Cited by“ und „Related articles“ können anschließend weitere Begriffe oder eng verwandte Arbeiten sichtbar machen; sie ersetzen jedoch nicht die dokumentierte Ausgangssuche.
Jeden Test in einem kleinen Protokoll festhalten
Ein Suchausdruck ist nur dann hilfreich, wenn später nachvollziehbar bleibt, was geändert wurde. Notieren Sie mindestens Suchort, Datum, vollständige Eingabe, geänderten Begriff und Beobachtung. Für das fiktive Beispiel reichen drei Zeilen:
| Schritt | Änderung | Beobachtung | Nächste Entscheidung |
|---|---|---|---|
| 1 | Drei Kernbegriffe | Begriffe sind noch sehr breit | Alternative Bezeichnungen sammeln |
| 2 | Synonyme mit OR ergänzt | Mehr sprachliche Varianten erfasst | Unpassende Varianten markieren |
| 3 | PubMed-Feldangaben ergänzt | Suche bewusst auf Titel und Abstract begrenzt | Mit der breiteren Fassung vergleichen |
Dokumentieren Sie nicht nur die endgültige Zeichenfolge. Gerade ein verworfener Begriff erklärt später, weshalb die Suche enger oder breiter angelegt wurde. Ergebniszahlen sollten mit Datum und Suchort festgehalten werden, weil Datenbanken und Bestände sich verändern können.
Prüfliste für eine belastbare Suchkombination
- Ist jede Konzeptgruppe direkt aus der Recherchefrage ableitbar?
- Sind echte Synonyme von nur verwandten Begriffen getrennt?
- Stehen Alternativen innerhalb einer Gruppe zusammen?
- Sind unterschiedliche Konzepte klar miteinander verbunden?
- Wurde jede verwendete Syntax in der Hilfe der konkreten Suchoberfläche geprüft?
- Ist erkennbar, welche Begriffe die Suche erweitern oder verengen?
- Sind Suchort, Datum, vollständiger Ausdruck und Änderungen dokumentiert?
Die Konzeptmatrix vertieft einen einzelnen Arbeitsschritt. Für Forschungsfrage, Auswahlkriterien und den gesamten Ablauf hilft der Ratgeber Literaturrecherche systematisch planen. Wie gefundene Textstellen und Ähnlichkeiten anschließend eingeordnet werden, erklärt der Beitrag Plagiatsprüfung verstehen.



