Viele offene Tabs sind noch keine Literaturrecherche. Eine nachvollziehbare Recherche zeigt, welche Frage du beantworten möchtest, wo du gesucht hast und warum du bestimmte Quellen verwendest. Das hilft beim Schreiben: Du findest Informationen wieder und kannst erklären, wie deine Literaturauswahl entstanden ist.
Dieser Leitfaden beschreibt eine planvolle Recherche für eigene Fachtexte. Er ist kein vollständiges Verfahren für ein systematisches Review. Wenn dein Projekt eine bestimmte Review-Methode verlangt, gelten zusätzliche fachliche und institutionelle Vorgaben.
1. Eine bearbeitbare Frage formulieren
„Homeoffice“ ist ein Thema, aber noch keine Recherchefrage. Für ein überschaubares Projekt kannst du fragen: „Welche Formen des Wissenstransfers werden in hybriden Teams untersucht?“ Das frei gewählte Beispiel begrenzt den Gegenstand auf Wissenstransfer, eine bestimmte Arbeitsform und veröffentlichte Untersuchungen.
Notiere daneben, welche Aspekte du nicht behandelst. Im Beispiel könnten das technische Sicherheitsfragen oder die Gestaltung von Büroräumen sein. Diese Abgrenzung verhindert, dass interessante Nebenthemen die Recherche dominieren.
Eine Frage darf sich im Verlauf präzisieren. Dokumentiere die Änderung und prüfe, ob bereits ausgewählte Quellen zur neuen Frage passen.
2. Eine Suchwortliste aufbauen
Zerlege die Frage in zwei oder drei Konzepte. Sammle für jedes Konzept verwandte Begriffe, Synonyme und, falls für das Fach relevant, englische Bezeichnungen. Für das Beispiel könnte die erste Gruppe „Wissenstransfer“, „Wissensaustausch“ und „knowledge sharing“ enthalten. Die zweite Gruppe könnte „hybrides Team“, „hybrid work“ und „distributed team“ umfassen.
Beginne mit einer überschaubaren Kombination. Verwende die Funktionen der jeweiligen Suchoberfläche, um Begriffe zu verbinden oder nach genauen Wortfolgen zu suchen. Suchoperatoren und Feldsuche können zwischen Katalogen und Datenbanken unterschiedlich funktionieren. Prüfe deshalb die Hilfe der tatsächlich verwendeten Oberfläche. Auch die Universität Wien empfiehlt in ihren Recherchehinweisen, die konkrete Suchsyntax nachzulesen.
Wenn die Treffer zu breit sind, ergänze einen begründeten Kontext oder grenze ein Suchfeld ein. Wenn kaum passende Ergebnisse erscheinen, entferne eine Einschränkung oder teste einen anderen Fachbegriff. Notiere die Änderung, statt immer wieder dieselbe Suche zu wiederholen.
3. Quellen nach vorher festgelegten Kriterien auswählen
Lege vor dem detaillierten Lesen fest, was eine Quelle für dein Projekt geeignet macht. Mögliche Kriterien sind der thematische Bezug, eine nachvollziehbare Methode, die untersuchte Zielgruppe und ein sinnvoller Zeitraum. Der Zeitraum sollte aus der Frage folgen. Bei einem historischen Vergleich können ältere Quellen gerade wichtig sein.
Prüfe jede Quelle mit denselben Fragen:
- Passung: Behandelt sie deine Frage tatsächlich oder nur ein verwandtes Thema?
- Urheberschaft: Wer hat die Aussage veröffentlicht und ist die Quelle vollständig identifizierbar?
- Nachvollziehbarkeit: Sind Methode, Datengrundlage oder Argumentationsweg beschrieben?
- Grenzen: Auf welche Situation lassen sich die Ergebnisse beziehen?
- Verfügbarkeit: Hast du den relevanten Volltext geprüft oder nur eine Zusammenfassung gelesen?
Eine häufig zitierte Quelle ist nicht automatisch für deine Frage geeignet. Ein aktueller Text ist nicht automatisch methodisch überzeugend. Begründe die Auswahl mit dem Inhalt und der Qualität der Quelle.
4. Ein Rechercheprotokoll führen
Eine einfache Tabelle reicht für den Anfang. Lege für jede Suche eine Zeile mit Datum, Suchort, vollständigem Suchausdruck, gesetzten Filtern und einer kurzen Auswahlnotiz an. Ergänze bei Bedarf die Zahl der angezeigten Treffer, damit du Veränderungen nachvollziehen kannst. Der Leitfaden zur systematischen Literaturrecherche der Universität Wien empfiehlt ebenfalls, Suchbegriffe, Suchzeitpunkt und Datenbank oder Katalog festzuhalten.
Halte Quellen separat in einer Literaturliste fest. Sinnvolle Felder sind vollständige bibliografische Angaben, Link oder Identifikator, Bezug zur Frage, zentrale Aussage, relevante Seiten und offene Fragen. Trenne wörtliche Zitate sichtbar von eigenen Zusammenfassungen. So erkennst du später, was du zitieren musst und welche Formulierung von dir stammt.
Beispiel für eine Auswahlnotiz: „Aufgenommen, weil die Untersuchung Wissenstransfer in hybriden Teams direkt behandelt; Ergebnisse auf die untersuchte Organisation begrenzt.“ Das ist hilfreicher als „gute Quelle“.
5. Aus der Quellenliste eine Argumentation entwickeln
Ordne die Literatur nach Fragen oder Aspekten, nicht nur nach Autoren. Für das Beispiel könnten das informeller Austausch, dokumentiertes Wissen und gemeinsame Arbeitsroutinen sein. Trage zusammen, wo Quellen übereinstimmen und wo sie unterschiedliche Ergebnisse oder Voraussetzungen zeigen.
Schreibe nicht einfach eine Zusammenfassung nach der anderen. Formuliere zuerst, welche Aussage ein Absatz begründen soll, und prüfe dann, welche Quellen sie tragen. Wenn sich eine Aussage nicht belegen lässt, ändere die Aussage oder recherchiere gezielt weiter.
Beende die Recherche nicht allein deshalb, weil eine gewünschte Zahl an Quellen erreicht ist. Prüfe stattdessen, ob die zentralen Aspekte deiner Frage abgedeckt sind und welche Lücken bleiben. Eine begründete Grenze der Recherche kann im Text transparent erläutert werden.
Was du am Ende in der Hand haben solltest
- Eine klar abgegrenzte Frage.
- Eine nachvollziehbare Suchwortliste.
- Dokumentierte Suchorte, Filter und Auswahlkriterien.
- Eine geprüfte Literaturliste mit eigenen Notizen.
- Eine Übersicht zentraler Aussagen und verbleibender Lücken.
Bei Prüfungsleistungen prüfst du zuerst die Regeln deiner Einrichtung zur erlaubten Unterstützung. Eigene Recherche, Bewertung und fachliche Verantwortung dürfen nicht durch eine fremderstellte Prüfungsleistung ersetzt werden. Akademische Auftragsarbeiten für an österreichischen Universitäten oder Hochschulen inskribierte Personen bleiben nach dem bestehenden Yourghost-Leistungsrahmen ausgeschlossen. Fremderstellte Prüfungsleistungen zur Einreichung unter eigenem Namen werden nicht angeboten.
Weiterlesen: Ein klares Briefing für dein Textprojekt.
